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Mise en Place: warum gelassene Köche erst alles bereitstellen

3 Min. Lesezeit

In jeder Profiküche beginnt der Tag gleich: Stunden bevor der erste Gast bestellt, ist jede Zutat geschnitten, gewogen und in Griffweite. Mise en Place, „alles an seinem Platz". Das ist kein Perfektionismus; es ist der Grund, warum ein Koch im Stoßgeschäft zwölf Gerichte gleichzeitig hinausschicken kann, ohne ein einziges Mal etwas zu suchen.

Zu Hause kochen wir meist genau andersherum: Wir fangen an zu braten und schneiden den Rest „nebenbei". Und das, viel öfter als das Rezept oder das eigene Können, ist die Quelle des Küchenstresses.

Was ohne schiefgeht

Das Muster kennt jeder. Die Zwiebel liegt in der Pfanne, das Rezept sagt „Knoblauch zugeben", und dann geht es los: Knoblauch schälen, während die Zwiebel schon Farbe nimmt, hastig die Paprikawürfel, die eigentlich vor fünf Minuten fertig sein sollten, und währenddessen sucht die freie Hand das Paprikapulver, das ganz hinten im Schrank steht. Die Zwiebel verbrennt nicht, weil man nicht kochen kann, sondern weil man zwei Jobs gleichzeitig gemacht hat: vorbereiten und kochen.

Diese beiden Jobs haben verschiedene Geschwindigkeiten. Vorbereiten darf langsam und unterbrochen sein; Kochen hat Momente, in denen zwanzig Sekunden entscheiden. Wer beides vermischt, lässt die langsame Arbeit die schnelle sabotieren, und genau das ist das gehetzte Gefühl.

Was es bringt

Entkoppelt man die beiden, passiert etwas Merkwürdiges: Dasselbe Rezept wird leichter und besser. Leichter, weil Kochen nur noch eine Aufgabe ist: Dinge im richtigen Moment in die Pfanne geben und aufpassen. Besser, aus drei konkreten Gründen:

  • Das Timing stimmt. Der Knoblauch kommt dazu, wenn die Zwiebel so weit ist, nicht wenn man mit dem Schälen fertig ist. Bei Pfannengerichten und Pfannensaucen, wo alles in Minuten passiert, ist das der ganze Unterschied.
  • Man liest das Rezept noch einmal komplett. Während der Mise en Place entdeckt man, dass der Tofu eine halbe Stunde marinieren muss oder der Ofen vorgeheizt sein sollte, jetzt, statt in dem Moment, in dem es zu spät ist.
  • Fehler fallen früh auf. Keine Zitrone im Haus zeigt sich beim Schneiden, wenn noch alles lösbar ist, nicht wenn der Fisch schon in der Pfanne liegt.

So geht es zu Hause, ohne zwölf Schälchen

Das Restaurantbild mit den Reihen von Edelstahlbehältern schreckt ab, und zu Recht: Zu Hause ist der Abwasch von zwölf Schälchen ein echter Einwand. Die häusliche Version ist pragmatischer:

  1. Das Rezept einmal komplett lesen, bis zum letzten Schritt.
  2. Alle Zutaten auf die Arbeitsfläche stellen. Allein das verhindert die Hälfte der Sucherei.
  3. Alles schneiden und abwiegen, was in der ersten, schnellen Phase gebraucht wird. Was zusammen in die Pfanne geht, auf einem Teller oder Brett gruppieren; drei Dinge, die gemeinsam angebraten werden, brauchen keine drei Schälchen.
  4. Was erst nach einer langen Schmor- oder Ofenzeit gebraucht wird, darf man in dieser Wartezeit vorbereiten. Mise en Place heißt nicht „alles vorher", sondern „alles vor dem Moment, in dem es schnell gehen muss".
  5. Das Schneidechaos wegräumen, bevor der Herd angeht. Eine leere Arbeitsfläche beim Kochen ist die halbe Ruhe.

Für Gerichte mit langem, ruhigem Anlauf (eine Suppe, die eine Stunde zieht, ein Schmortopf) ist volle Mise en Place übertrieben; da genügen Schritt 1 und 2. Die volle Behandlung gehört den Rezepten, in denen viel kurz hintereinander passiert: Wok-Gerichte, Risotto, Pastasaucen, die fertig sind, wenn die Pasta es ist.

Es ist außerdem einfach angenehmer

Es gibt noch einen Grund, warum das funktioniert, und der steht in keinem Kochbuch: Getrenntes Vorbereiten macht aus dem Schneiden ein ruhiges Ritual statt eines Wettlaufs. Musik an, kein Zeitdruck, und wenn der Herd angeht, ist das Aufregendste schon passiert. Viele Menschen, die sagen, Kochen stresse sie, stresst in Wahrheit das Zwischendurch-Schneiden; das Kochen selbst, mit allem in Reichweite, entpuppt sich dann plötzlich als der schöne Teil. Eine Woche lang jede Mahlzeit mit fünf Minuten Mise en Place beginnen, und man will nicht mehr zurück.